Mit nur einer Spritze täglich war ich nach meiner Operation vor einer Thrombose gut geschützt

Hans-Dieter, 76 Jahre

Mit nur einer Spritze täglich war ich nach meiner Operation vor einer Thrombose gut geschützt

Thrombose verstehen

Was ist eine Thrombose?

Thrombosen nennt man Erkrankungen, die durch ein Blutgerinnsel (Thrombus; Mehrzahl Thromben) entstehen, das eine Vene oder eine Arterie verstopft hat. Am häufigsten sind Venen von Thrombosen betroffen, daher liegt hierauf im Folgenden der Fokus.

Venenthrombosen entwickeln sich meistens in den tiefen Bein- oder Beckenvenen, man spricht von einer tiefen Venenthrombose, abgekürzt TVT. Solche Erkrankungen sind heute meist gut behandelbar.

Besser aber noch ist die Vorbeugung. Um Thrombosen vorbeugen zu können, ist es wichtig, das eigene Risiko gut zu kennen. Es ist in bestimmten Situationen, z.B. bei einer Operation, einer erzwungenen Bettruhe oder auch in der Schwangerschaft, erhöht.

Ein verstärktes Thromboserisiko kann aber auch durch bestimmte Erbanlagen, Erkrankungen und Medikamente bedingt sein. Kommen mehrere dieser Faktoren zusammen, kann eine Thrombosevorbeugung mit Medikamenten notwendig sein.

Wie häufig sind Thrombosen

Jedes Jahr erkranken in Deutschland schätzungsweise zwischen 80.000 und 100.000 Menschen an einer tiefen Venenthrombose. Die Erkrankung ist damit nach dem Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste plötzlich auftretende Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems1.

In über 90 Prozent der Fälle handelt es sich um eine Venenthrombose der tiefen Bein- und Beckenvenen.

Wie entsteht eine Thrombose

Eine Thrombose entsteht durch die Blutgerinnung, die eigentlich ein Schutzmechanismus des Körpers ist.

Eine Reihe von Ursachen begünstigt das Entstehen einer Thrombose. Diese Ursachen können angeboren oder erworben sein oder sich aus besonderen Situationen ergeben.

Der Arzt Rudolf Virchow hat schon im Jahr 1856 drei Bedingungen definiert, unter denen das Thromboserisiko erhöht ist:

  • Das Blut fließt langsamer.
  • Die Innenwand des Blutgefäßes ist verletzt oder krankhaft verändert.
  • Es liegt eine erhöhte Gerinnungsneigung (Thrombophilie) vor: Dabei verläuft entweder die Blutgerinnung stärker oder entstandene Blutgerinnsel werden schlechter aufgelöst.

In manchen Situationen ist die Thrombosegefahr besonders hoch, weil mehrere dieser Ursachen zusammenkommen: Bei Operationen beispielweise werden Blutgefäße verletzt, wodurch die Gerinnung aktiviert wird. Außerdem muss der Operierte oft Bettruhe einhalten, was den Blutfluss verlangsamt. Die Gerinnungsneigung kann aber auch durch Erkrankungen (z.B. Infektionen, Krebs), Medikamente (z.B. Hormone, „Wassertabletten“) oder eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr verstärkt sein.

Erfahren Sie hier mehr zu den Risikofaktoren einer Thrombose.

Beinvenen, Muskelpumpe, Venenklappe

Venen transportieren jeden Tag ca. 7.000 Liter Blut zum Herzen zurück. Dabei leisten besonders die tiefen Beinvenen schwere Arbeit, denn das Blut muss gegen die Schwerkraft zum Herzen befördert werden.

Die tiefen Beinvenen haben keine eigene Pumpvorrichtung. Sie sind darauf angewiesen, dass das Blut durch Anspannung der umgebenden Beinmuskulatur vorangebracht wird. Diese Muskelpumpe ist entscheidend für die Aufwärtsbeförderung des venösen Blutes in den Beinen.

In der Entspannungsphase der Muskeln hindern zahlreiche Venenklappen in den Beinvenen, ähnlich einem Rückschlagventil, das Blut am Zurückfließen. Die Venenklappen sind also geöffnet, solange das Blut zum Herz strömt. Beginnt das Blut mit der Schwerkraft rückwärts zu fließen, schließen sie sich.

Blutgerinnung

Die Blutgerinnung ist ein Schutzmechanismus des Körpers: wenn ein Blutgefäß verletzt wird, schützt sie vor einem zu starken Blutverlust. Blutplättchen, so genannte Thrombozyten, lagern sich von innen an die Wand des geschädigten Blutgefäßes an und bilden das Blutgerinnsel, das die Wunde abschließt.

Blutgerinnsel, die der Körper nicht mehr zur Gefäßdeckung benötigt, werden wieder aufgelöst. Diesen Vorgang nennt man Thrombolyse.

Blutgerinnung und Auflösung des Blutgerinnsels sind normalerweise im Gleichgewicht. Eine Thrombose entsteht, wenn dieses Gleichgewicht gestört ist.

Anzeichen für eine Thrombose

Zu den typischen Beschwerden einer tiefen Beinvenenthrombose gehören vor allem

  • Schwere- oder Spannungsgefühl im ganzen Bein, ähnlich wie bei Muskelkater
  • Schmerzen und Druckempfindlichkeit in der Wade, Kniekehle oder Leistengegend, die sich im Liegen meist bessern
  • Schmerzen an der Fußsohle (und in der Wade) beim Auftreten
  • leichte Schwellung des Unterschenkels, manchmal deutlich Schwellung des ganzen Beines
  • bläulich-violette Hautverfärbung am Bein
  • Wärmegefühl im betroffenen Bein

Eine tiefe Beinvenenthrombose kann aber auch ohne ausgeprägte Beschwerden oder typische Krankheitszeichen verlaufen, man spricht dann von einer asymptomatischen tiefen Venenthrombose (TVT).

Komplikationen und Folgeschäden

Die gefährlichste Komplikation einer tiefen Venenthrombose ist die Lungenembolie. Sie kann tödlich verlaufen.

Mögliche Spätfolge einer tiefen Venenthrombose ist das so genannte post-thrombotische Syndrom, abgekürzt PTS.

Lungenembolie

Löst sich ein frisches Blutgerinnsel von der Venenwand ab und wird mit dem Blutstrom weggeschwemmt, ist es zum Embolus (griechisch embolein = hineinwerfen) geworden. Wird dieser Embolus in einem Gefäß angeschwemmt und verstopft dieses, spricht man von einer Embolie.

Abgerissene Blutgerinnsel aus den tiefen Bein- oder Beckenvenen können über das Herz in die große Lungenarterie gelangen und sich in einem ihrer Äste festsetzen. Das ist die gefürchtete Lungenembolie.

Dabei ist entscheidend, ob ein kleiner oder ein großer Ast der Lungenarterie von dem Blutgerinnsel verschlossen wird. Ist ein kleiner Ast betroffen, kommt es vielleicht nur zu leichter Atemnot und etwas Husten, häufig treten aber auch gar keine Beschwerden auf.

Ist dagegen ein großer Ast der Lungenarterie blockiert, kommt es schlagartig zu einem starken Anstieg des Drucks in den Lungenarterien. Das bedeutet wiederum eine enorme Belastung für das rechte Herz, das nun gegen den Verschluss der Lungenarterie anarbeiten muss. Das kann das rechte Herz auf Dauer nicht leisten, Herzversagen und Tod können die Folgen sein.

In Deutschland sterben jährlich etwa 40.000 Menschen an den Folgen einer Lungenembolie2. Das sind fünf Mal mehr als Tote durch einen Verkehrsunfall. Die Lungenembolie ist damit nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste zum Tode führende Herz-Kreislauf-Erkrankung2.

Postthrombotisches Syndrom

Eine schlecht ausgeheilte tiefe Beinvenenthrombose führt bei bis zur Hälfte der Patienten zu sehr unangenehmen Spätfolgen bzw. zu einem postthrombotischen Syndrom (PTS).

Es entsteht, wenn sich das Blutgerinnsel nicht (vollständig) auflöst, sondern mit der Venenwand verwächst und den Blutfluss dauerhaft behindert. Dann staut sich das Blut bis in die oberflächlichen Venen zurück, die sich zu Krampfadern erweitern.

Der venöse Rückstau führt zur Flüssigkeitseinlagerung in das Gewebe des Unterschenkels (Ödeme). Dadurch kann es dann in diesem Bereich zu einem PTS kommen, das in seiner schwersten Form zu schwer abheilenden chronischen Geschwüren am Unterschenkel („offenes Bein“) führen kann. Außerdem erhöht ein PTS das Risiko für weitere Venenthrombosen.

Referenzen

Referenzen

1. Diehm C et al.
Die tiefe Venenthrombose. Diagnostik und Therapie.
Dt Äztebl 1997; 94: A-301–311

2. http://www.dgagefaessmedizin.de/de/patienten/venenerkrankungen/thrombose.html